header

Geschichte



altes Schloss

Schloss Wyl:


Chronologie der Geschichte und Baugeschichte

Prof. Dr. Jürg Schweizer

1146: Erstmalige Erwähnung der Freiherren von Wiler an einem von Herzog Konrad von Zähringen in Worb abgehaltenen Gerichtstag

1. Hälfte 13. Jh.: Die Burg Wyl erhält als weithin sichtbaren Akzent den 43 m hohen Hauptturm aus teilweise riesigen Findlingen mit einer enormen, gegen 4m messenden Mauerstärke

Nach 1300: Nach dem Aussterben der Herren von Wiler wird die Freiherrschaft Wyl aufgeteilt und geht an auswärtige Adelige

Nach 1350: Herrschaft und Burg werden von stadtbernischen Burgerfamilien erworben, die bis 1798 Herrschaftsherren und Schlossbesitzer sind

1514: Burkhard von Erlach vereinigt die aufgeteilte Herrschaft wieder. Sie umfasst Burg, Domäne, Güter und Gerichtsrechte in Schlosswil, Grosshöchstetten, Oberhünigen und Gysenstein

1527: Niklaus von Wattenwyl kauft Burg und Herrschaft Wyl. Vorher war er Propst des Chorherrenstifts am Münster, er wechselt zum neuen Glauben und ist nun mit Clara May verheiratet

1546: Brennt die Burg aus, auch der Turm wird beschädigt. Beim Wiederaufbau verwandelt Niklaus von Wattenwyl die Burg zum wohnlichen Schloss. Dabei lässt er auch den Arkadenhof mit seinen Gewölben erbauen. Der Turm erhält sein steiles Dach

1634: Petermann von Diesbach erwirbt Schloss und Herrschaft

1695: Albrecht von Diesbach lässt das heutige Treppenhaus errichten

1717: Erwirbt Gabriel Frisching Schloss und Herrschaft. In der Folge lässt er in Etappen den Park mit der 500m langen Allee samt abschliessendem Baumsaal, den grossen Teich, Terrassengärten und weiteren Elementen anlegen

1780: Gabriel Friedrich von Frisching erneuert die Eingangsfassade mit dem heutigen Schlossportal und den geschnitzten Herrschaftswappen

1798: Nach dem Einmarsch der Franzosen gehen die Herrschaftsrechte verloren, Schloss Wyl und seine Domäne wird zerstückelt und verkauft

1812: Erwirbt der Staat Bern Schloss und Schlossgut als Sitz des neugeschaffenen Amtsbezirks Konolfingen

1936/37: Umfassende Renovation des Schlosses

2000: Das Schlossgut wird nach mindestens 800jähriger Zugehörigkeit vom Schloss getrennt und an den Pächter Hans Stucki verkauft

2010: Der Amtsbezirk Konolfingen und der Gerichtskreis werden aufgehoben, der Kanton räumt das Schloss

2011: Matthias Steinmann erwirbt mit seiner Firma Berakom das Schloss und gründet die Steinmann Stiftung Schloss Wyl, um dem prominenten Bauwerk neues Leben einzuhauchen   
ZUR JÜNGSTEN GESCHICHTE
 
An der Medienkonferenz vom 28. August 2015 der Steinmann-Stiftung Schloss Wyl hielt
UELI ZAUGG, ehemaliger Regierungsstatthalter (2002 bis 2010) sowie Domänenverwalter
bis September 2011 und nun Stiftungsrat, eine Rede, welche die jüngere Geschichte pointiert beschreibt. Hier leicht gekürzt.

5 Jahre danach...
Von Ueli Zaugg

•    "5 Jahre danach“, der Titel zu meinen kurzen Ausführungen.
5 Jahre nach was eigentlich?
Es scheint, dass viele Leute gar nicht genau oder schon gar nicht mehr wissen, was vorher gewesen ist oder nicht realisiert haben, was geändert hat.
Trotz guter Medienpräsenz hat man höchstens festgestellt, dass das Schloss vor ca. 15 Jahren mit dem weissen Anstrich ein neues Outfit erhalten hat. Das hat man von weitem realisiert.
Über 80 % der Bevölkerung des ehemaligen Amtsbezirks Konolfingen haben nie einen Kontakt mit den Ämtern im Schloss gehabt. Sie haben das Schloss nur vom Vorbeifahren gekannt.
Die Medienflut hat zudem dermassen zugenommen, dass man kaum mehr realisiert und speichern kann, was einem direkt betrifft geschweige denn was auf Schloss Wyl passiert ist.
Was hat sich denn eigentlich geändert, hört man oft fragen...

•    Ich gestatte mir meine kurzen persönlichen Gedanken auf die Schlossgeschichte seit 2002 auszudehnen und auch etwas aus der Schule zu plaudern.
•    Damals bis 2010 hat der Kanton Bern im Schloss das Sagen gehabt. Es wurde geheiratet, geschieden, gerichtet, angehört und verfügt, in grosse Bücher geschrieben, Zahlungsbefehle ausgestellt und betrieben.
•    Nachher ist die ominöse Bezirksreform beschlossen worden, die dem Amt Konolfingen das Genick gebrochen hat.
•    Kurz darauf ist der Entscheid der Regierung gefällt worden, das Tafelsilber zu verscherbeln und auch Schloss Wyl zu verkaufen.
•    Als damaliger Domänenverwalter habe ich darauf bestanden, dass sich die Kaufinteressenten bei mir anmelden mussten und ich sie persönlich auf der Schlossführung begleitet habe.
•    Mehr oder weniger gesteilte Personen sind erschienen. Selten wusste man, ob es sich um die Käuferschaft oder um Mittelsmänner/-frauen gehandelt hat.
Bei einem hat man es gewusst, ihn hat man gekannt. Matthias Steinmann hatte es nicht nötig gehabt, „Strohmänner“ einzuschalten.
Mit Daniel Fluri, seinem Immobilienspezialist im Schlepptau, hat er die Sache genau angeschaut und kritische Fragen gestellt.
•    Der erste Kaufanlauf ist dann am Konzept und an der Absage einiger Kiesentaler Gemeinden gescheitert.
•    Die Beerdigung mit einer einfacher „Grebt“ hat im Schlössli Ursellen stattgefunden. Einzelne Beteiligte haben aber schon damals geahnt, dass das nicht das Ende der Ära Steinmann in Schloss Wyl sein wird, höchstens ein Zwischenhalt.
•    Matthias Steinmann hat blitzschnell ein neues Konzept entworfen und damit die verkaufswillige Berner Regierung überzeugt.
•    In der Gemeinde Schlosswil hat man Erleichterung gespürt, als man wusste, dass nicht ein Scheich oder ein Russischer Oligarch oder wer auch immer das Schloss gekauft hat.
•    Die Gemeinde hat Matthias Steinmann und seine Entourage mit offenen Armen empfangen und ist glücklich gewesen, einen Sitz im Stiftungsrat zu bekommen. Bald darauf hat man sich darüber gefreut, dass die Gemeindefahne vor dem Schloss geflattert hat.
•    Nach dem Kauf ist alles Schlag auf Schlag gegangen. Jedes Jahr hat der neue Schlossherr Renovationen realisiert und passendes Mobiliar, Bilder und Waffen gekauft.

•    Hier eine Auswahl von seinem immensen Schaffen:

- Stichwort „behindertengerechtes“ Schloss:
Statt einer ellenlangen Rampe vor dem Schlosseingang und mehreren Treppenliften steht heute eine wunderschöne Sänfte im Schlosseingang.
- 31 farbenfrohe Bilder von allen Gemeinden des ehemaligen Amtsbezirks hängen im Festsaal.
- Das Glasbild der Schlacht am Grauholz 1798, das früher im Eingang zum Innenhof stand, ist im Saal hinterleuchtet eingebaut worden.
- Im Vorzimmer zum Zeremonienlokal (Standesamt) hängt die Wanduhr aus dem Statthalterbüro und zeigt den Traupaaren, was es geschlagen hat.
- Im stimmig eingerichteten Zeremonienlokal stehen für das Traupaar zwei bequeme, aber sehr schwere Stühle zum Sitzen bereit, aus denen man fast nicht mehr heraus kommt. Das hat Symbolcharakter.
- Ungefähr 60 Radierungen zum Thema „Jeremias Gotthelf“ von Walter Jonas prägen eine Ausstellung.
- Zu Ehren von Arom Steinmann steht eine imposante Buddha-Statue im Buddhasaal. Sie erinnert an die Weihung des Schlosses durch drei buddhistische Mönche. Das Schloss ist damit gesegnet und die Schlossgespenster sollten für immer vertrieben sein.
- Das Bild von Gabriel Frisching, Herr zu Wyl 1718, mit dem Schloss Wyl im Hintergrund hängt in der kleinen Steinmannstube. Ein „Glückskauf“! Er verantwortete die Gestaltung von Park und Allee.
- Die fein säuberlich beschriftete Sammlung mit mehr als 60 Waffen schmückt den Aufgang zum Dachboden.
- Alte und neue Gefängnisutensilien und ca. 130 juristische Lehrbücher und Schriften, darunter der vollständige Berner Kommentar, weisen auf die früheren Gerichtstätigkeiten hin.
- Das Bad in der Schlosswohnung mit Wandbildblick auf den Weiher und Schlosspark vermittelt ein wohlerhabenes Gefühl.
- Der Turmkeller ist stimmig als Weinbar eingerichtet und beleuchtet worden.
- Die Kuhbildergalerie (18. /19. Jh.) mit 31! Bildern prägt den Wohnungsgang.
- Fast 400 Gemälde verteilt im ganzen Schloss schmücken damit die Räume. Sie sind in der Zwischenzeit mehrmals umgehängt worden, bis sie den passenden Platz - auch unter der strengen Beurteilung und den denkmalpflegerischen Blicken von Prof. Dr. Jürg Schweizer, ehemaliger Denkmalpfleger, - Stand gehalten haben.
- Die Ausstellung mit historischen Plänen, Skizzen, Ansichten vom 17. bis 20. Jh. (Leitung, wie könnte es anders sein, von Jürg Schweizer) bereichern den Rundgang.
-  „Little Venice“, eine Reminiszenz an die Berner in venezianischen Diensten, das grosse Wandbild ergänzt mit Bildern im Peristyl des alten Gefängnisgebäudes, runden die Sehenswürdigkeiten ab.
- ... und neu also „KUNST IM TURM“, DAS heutige Thema (erste Ausstellung in den renovierten Turmräumen mit Ian Douglass, „Halluzinationen im Gefängnis“).

    - und, und, und .......

•    Unglaublich, was in der kurzen Schlosszeit der Stiftung entstanden ist. Vom Amtshaus zum Freude herrscht Schloss, dank Investitionen von gut 2 Mio. Fr.! (Wohlverstanden, ohne Kaufpreis, ordentlicher Unterhalt und Betriebskosten.)

•    Ich zitiere dazu Matthias Steinmann:
„Es rentiert nicht, aber es lohnt sich“!

•    Gibt es überhaupt noch offene Projekte im Schloss?
Natürlich gibt es die beim umtriebigen Schlossherrn und in den Köpfen
einiger Stiftungsräte! Warten wir es ab.

•    ... und dann stehen noch Unsicherheiten an:
Die Fusionsabsichten der Gemeinde Schlosswil mit Grosshöchstetten, mit der Positionierung des Schlosses im neuen Gemeindegebilde, dem Sitz der Gemeinde im Stiftungsrat...
... auch hier, warten wir es ab!

•    Es bleibt unser Dank. Danke Matthias, danke Familie Steinmann. Eure Stiftung ist ein Glücksfall für Kanton, Gemeinde und Bevölkerung, für uns alle!


dummyAperoelenGeburtstaeglen 1Heiraetlen 1JubilierenWeihnaechtlen